Teil mal deine schlechten Tage

Ein kurzer Beitrag, dass nicht alle guten Sachen immer gut sein müssen. Aber dass nicht alle schlechten Sachen, die Welt zu interessieren braucht.

Ich habe gestern mit meinen Eltern telefoniert. Ab und an reden wir dann auch über die aktuelle Gefühlslage und wie alles so läuft. Wenn wir uns länger nicht sehen, versuche ich es im kleinen Rahmen zu halten – weil die Sehnsucht von der anderen Seite immer größer und verständlicherweise dadurch die Spannung etwas höher wird – sowohl zu den negativen als auch zu den eigentlich positiven Dingen.

Ich verstehe sie, beide, aber vor allem meine Mama, die mit der C-Situation, der Vollzeit-Ehe zuhause und dem Drang endlich mal wieder rauszugehen, raus mit ihren Freundinnen, zu Veranstaltungen, doch etwas zu kämpfen hat. Dazu die Tochter, die immer auf der Pelle gesessen ist, jetzt auch noch durch Europa reist und ihre Freunde und Bekannte ihr erzählen, dass sie doch alles richtig macht…Die Lena reist und macht sich ein schönes Leben in Italien. (Meine Mama hat kein Facebook und Instagram und erhält auch nur meine privaten, persönlichen Insights – manchmal mehr und manchmal weniger, alles aber gut so).

„Du konnst ned am Internet imma zoang, dass da guad geht. Zoag eana moi, wenn’s da schlecht geht. De moina olle, dei Lebm is immer sche und des is so guad, was du do machst!“

Mama

Not so amused. Meine Mama, die gern alle ihre Kinder im Umkreis von einem Kilometer hätte, darf sich anhören, wie andere meine Initiative finden, das Land zu verlassen. Ich soll doch mal der Gesellschaft mitteilen, wenns mir schlecht geht. Sehr guter Plan, Mama! 🙂
Sie sieht jedoch nicht, dass meine schlechten Tage so privat geworden sind, dass ich sie nur selten mit meiner Familie teile, geschweige den meinen Freunden erzähle. Auch sieht sie nicht, dass ich Fotografin bin und meine Bilder teilen ja irgendwie zum Business gehört. Mich erheitert das meistens sehr. Manchmal artet es, aber auch in einem Schreit aus. Wie halt eben so eine typische Mutter-Tochter-Beziehung ist. Voller Liebe und manchmal vollem Unverständnis.

Leben alleine in einem anderen Land ist dennoch sehr hart, Leute. Auch wenn meine Fotos eine tolle Sprache sprechen, zeigen sie nicht mein Leben. Nicht meine gängige Unlust auf Nachrichten zu Antworten, nicht meinen einsamen Valentinstag zuhause und nicht mein schieben von Tätigkeiten, die wichtig wäre . Die Komfortzone zu verlassen ist immer ein Schritt, der mehr Mut, Reue und Zweifel mit sich bringt, als man vorher eigentlich denkt. Dass hier ganz harte Zeiten mitmischen, werde ich aber nicht in meinem Status festhalten. Und am Ende möchte das auch keiner sehen. So sehr ich meine Mama liebe, aber Heulsusen im Fernsehen hab ich noch nie so gut gefunden.

Dennoch kann ich sagen, dass der Satz „das Leben beginnt da, wo deine Komfortzone endet“ zwar stimmt, aber manchmal garnicht so geil ist, wie sich der Spruch anhört. Hat man es besser, wenn man mehr erlebt und gesehen hat und seine Komfortzone verlässt? Ich habe mich Letztens mit einer Freundin unterhalten, ob es wirklich gut ist, was wir hier machen. Ob wir nicht glücklicher wären, wären wir zuhause in Deutschland. All die Menschen, die Kolumbus nicht nach Amerika gefolgt sind und immer in dem Glauben geblieben sind, dass die Erde eine Scheibe ist und keine Kugel, hatten sicher kein schlechteres Leben – vielleicht sogar ein Besseres. Da waren wir uns einige. Aber wenn du einmal den Schritt gewagt hast, ist es schwer wieder zurück zu finden.
Vor dem Schritt der Rückkehr habe ich tatsächlich großen Respekt – und ich bin erst ein gutes Jahr weg. Auch wenn man sein Zuhause und die Leute vermisst, kann es sein, dass man dann irgendwie etwas anderes sucht.

Thx Frank Schneider für das Bild

Ich gebe gerne Einblicke in meine Welt, Eindrücke über Orte, die ich entdecke – und hier der Appell von meiner Mama (gut erzogen wie ich bin): Nur weil die Bilder schön sind, hat meine Welt ebenso Probleme, wie jede andere auch. Aber jeder hat sein Glück selbst in der Hand – das eine kommt schneller, das andere eben langsamer, das eine erfordert mehr Aufwand und das andere weniger. Mein Glück, dass ich mir Wünsche, beinhaltet Momentan, dass ich die Motivation finde, meine Ziele besser umzusetzen und den Mut habe, nicht alleine zu reisen. Ich würde mir wünschen, endlich die Sprache zu lernen, die mir jeden Tag begegnet und den Ort zu finden, an dem ich mich wie Zuhause fühle. An diesen Wünschen arbeite ich. Und die sind sicher nicht so einfach und rosig, wie ich sie gerne hätte. Und Mama, NEIN, die Steine darin werde ich nicht teilen, die Sonnenstrahlen jedoch vielleicht teilweise und die Eindrücke sicher. Nicht weil ich jemanden neidisch machen will, sondern weil ich Bilder gerne teile, weil ich gerne lache und das Leben genieße. Aber ich möchte keinen schlechten Mood teilen, weil es eben reicht, wenn ich ihn fühle.

Ciao und bis bald – mit gutem Mood und neuem Stoff,
Lena

Ein Kommentar

  1. Super geschrieben und dem wahren Leben entsprechend.

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