Lucca – Teil 1

Vollkommen unvorbereitet ins Abenteuer

Lucca. Wie das Abenteuer begann. Im Jahr 2016, als wir einen großen Familienurlaub in San Vincenzo gemacht haben, haben wir an einem Samstag um ca. 7 Uhr morgens einen kurzen Stop eingelegt. Das war tatsächlich in Lucca. Dort schön gefrühstückt und durch die leere, sonnige Stadt marschiert. Ich kann mich noch erinnern als wärs gestern gewesen – glücklich in Italien zu sein, die großen Brüder und deren Rasselbande im Schlepptau und Dolce Vita genießen. Das wars dann allerdings auch – kein Mal mehr in Lucca, kein Mal mehr darüber nachgedacht.

3,5 Jahre später und frisch getrennt, machte ich mich mit einer Freundin für 2 Tage mit dem Nacht-Flixbus auf den Weg nach Venedig – ja die Geschichte war tatsächlich der Auslöser. Die Mama meinte, der Pfarrer war schon mit dem Flixbus in Venedig – und weil es sich günstig anhört und weil es der Pfarrer auch kann, probierten wir es aus. An dieser Stelle: EMPFEHLUNG!

Venedig war wunderbar. Coronabedingt wunderbar. Wohl für mich einer der wichtigsten und schönsten Kurztrips. Nach zwei tollen Tagen mit der genau richtigen Begleitperson, verliebt in Venedig und zurück in Deutschland, taucht es dann aus dem nichts (Danke Cookies) in einem Facebook Add auf: Bewirb dich jetzt als Content Marketer in Lucca. Lucca, war das nicht in der Toskana? War das nicht die Stadt von vor 3 Jahren – freilich, die wars! Meine Entscheidung war ziemlich schnell klar: ab nach Lucca.


Den Job habe ich übrigens über https://www.yobbers.de (vorher Grenzenlosarbeiten) bekommen. Die haben einen hervorragenden Prozess, helfen dir sehr gut bei offenen Fragen und versuchen, den Einstieg so einfach wie möglich für dich bzw. mit dir zu gestalten. Kann ich jedem empfehlen, der sich beruflich im Ausland entwickeln oder einfach Erfahrungen sammeln möchte. Ich hatte innerhalb 3 Tagen ein Bewerbungsgespräch. Es läuft so ab, dass du mit Yobbers ein erstes Gespräch hast, ob du überhaupt für den Job geeignet bist und ob es auch deinen Vorstellungen entspricht. Dann hatte ich 2-3 Gespräche mit meinem jetzigen Unternehmen. Vertrag war befristet auf 6 Monat mit Option auf Verlängerung. Die Plattform Yobbers hat mit vor allem extrem bei Fragen zu Krankenversicherung, diesen italienischen Steuercode und der Einreise geholfen. Zum einen mit direkter Klärung, zum anderen mit vielen hilfreichen Links. 


Meine Vorbereitungen gestalten sich immer etwas zu relaxed, aber das wird euch vielleicht das ein oder andere Mal selbst bewusst.
Erste Eindrücke über Lucca habe ich mir Abends bei Freunden geholt: „Lucca hat übrigens einen Turm mit Olivenbäumen und eine Stadtmauer. Auf der kann man mit dem Radl rumfahren.“ Hier dachte ich mir das erste Mal: WTF, warum erzählst du mir das. Wer mag den auf der Stadtmauer Radl fahren und wen interessiert denn überhaupt eine Mauer (das nehme ich ganz sicher wieder zurück!).
Ja so bin ich – 100 % kulturell und geschichtlich interessiert.

Um meine Italienischkenntnisse zu verbessern, habe ich mich nicht an Papas Buch gesetzt, sondern meinen Wein- und Pizzakonsum gesteigert. „Mamma Mia, guad wars!“ Damit 50% italienisch im Satz und eigentlich schon ziemlich gut für Italien. Natürlich war und ist das am Ende nicht genug. Englisch ist leider alles andere als gängig in Italien, mit deutsch wird man eher diskriminiert als verstanden und nur dank unserer bayerischen Leichtigkeit, der Gestik und der Kürze unserer Ausdrucksweise, schaffe ich es, mir gelegentlich weiterzuhelfen.

Und grundsätzlich ist man ja gut vorbereitet, wenn man die ADAC Straßenkarte von 94 und den Marco Polo Reiseführer von 96 im Gepäck hat – was neueres gibts im Hause K auch nicht. Das man beides im Zeitalter der Digitalisierung meistens nur noch als Untersetzer für den Kaffee oder als nette Deko verwendet, sag ich Mama wohl besser nicht.

Was bei uns Deutschen natürlich das Wichtigste ist, ist dass das Auto fährt und gut aussieht. Das heißt alles wurde geputzt, alles wurde gecheckt und alles wurde aufgefüllt. ADAC Mitgliedskarte Gold, Serviceheft und Fahrzeugpapiere im Handschuhfach und die Party kann starten. Bei mir war das nicht ganz der Fall. Die Party war wohl am Vorabend zu heftig, dass das Auto keine Party starten wollte. Also morgens um 7 wieder alles ausgepackt und in den Kuga meiner Eltern verfrachtet – mein Gepäck für 6 Monate: sauber sog i do. Besser konnst ned starten. Im Nachhinein war jedoch der Komfort vom Kuga geiler, die Aussicht besser und die Italiener garnicht so fahrgefährlich, dass ich meinen alten Ford Fiesta gebraucht hätte.

Damit startete Bella Italia für mich. Mit Covid (nicht zu vergessen, Corona war überall) und im Winter. Das ist eigentlich nichts, was sich ein Normalsterblicher unter Bella Italia vorstellt. Ohne Kontakte, ohne Sprachkenntnisse, dafür mit Job und Wohnung hieß es nun: Lena alleine in Italien. Ich fühle mich regelmäßig so, als ob ich Kevin große Konkurrenz machen könnte.

Am Anfang hat sich Covid natürlich überall gezeigt. Ausgangssperre ab 22 Uhr, alle Bars und Restaurants nur To Go geöffnet, wenig bis keine Kontakte und alles und überall mit Maske. What a „Dolce Vita“-fuck. Nein, ganz so wars natürlich nicht. Toskana hat mich umgehauen, auch im Winter:
Jede Zeit hier ist gut!

Ich brauchte zudem den Abstand von Zuhause, die Zeit für mich alleine, die Zeit zum Nachdenken und zum Durchatmen. Und dafür war es die perfekte Zeit. Meine Kollegen entwickelten sich schnell zu Freunden. Meine Motivation für Sport war so stark wie noch nie. Und dann noch die Mauer, die „was willst du mit der Mauer“-Mauer. Die hat mich jeden Tag verzaubert und tut es noch immer. Diese Mauer gibt Ruhe, lässt dich die Sichtweise ändern und bietet ordentlich Platz für jede Menge (sehr gut aussehende) Sportler:innen. Das war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb ich um die 5 mal pro Woche Laufen war.

„Laufen, was langweiligeres gibt es doch nicht.“ Falsch! Mit der richtigen Musik in den Ohren, der überschüssigen Power vom Alleinsein und den vielen (sehr gut aussehenden) Gründen auf der Mauer, gibt es nichts besseres als zu Laufen. Leider habe ich mir ziemlich schnell eine Überbelastung und eine damit verbundene Knochenhautentzündung im Schienbein zugezogen. Nach Selbstdiagnose mit Hilfe von Dr. Google, habe ich mich aus Angst vor chronischen Problemen, dann einer Zwangspause unterzogen und bin aufs normale Radl (nicht auf der Mauer) und auf Gehen umgestiegen. Nicht so geil, aber huift nix – und raus muast a moi.

Meine Laufplaylist ändert sich ständig, deshalb gibt es hier eine italienische Musik für den Abend.

Aber mein Leben besteht ja nicht nur aus Sport und Fotografieren. Es gab auch noch den Freitag. Freitag war Aperitivo-Zeit mit den Kollegen. Geschlossen, gemeinsam MIT DEN KOLLEGEN (etwas, was bei uns in Deutschland zwar geschlossen, aber geschlossen getrennt abläuft) ging es dann zur bestbesuchtesten Bar mit dem bestaussehendsten Kellner der Stadt. 1,5 Stunden gemütliches Zusammensein (Ausschank nur bis 18 Uhr), Gespräche fernab der Arbeit und jede Menge gute Laune.

Das Highlight meines Starts in Lucca: definitiv die Zeit mit meinen Kollegen. Diese doch so verschlossene Stadt hat mir so wahnsinnig tolle, neue Freunde geschenkt.

Und damit waren meine ersten Hürden auch bewältigt. Mein Start in Lucca. Vollkommen unvorbereitet in ein vollkommen unvorhersehbares Abenteuer.

Versprochen, der zweite Teil Lucca enthält etwas mehr Lucca: mehr Tipps und mehr Bilder.

A presto, Lena

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